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„Die Bilanzen der Heimmeier“ 1750-1870

von Hintersassen, Wasenmeistern und Schaßern

 

Vom Sonntag, den 9. März 2008 bis zum Sonntag, den 1. Juni 2008

 

Der Titel der Ausstellung verspricht auf den ersten Blick nichts Aufregendes – es geht hier um Gemeinderechnungen, die der jeweilige Ortsvorsteher von Oberlinxweiler erstellen musste. Und nüchterne Daten an sich sind eben nicht so spannend. Außerdem können wir uns das Leben zwischen 1750 und 1870 nicht so direkt vorstellen – in unseren Köpfen ist "alt" eben "alt", und wir denken vielleicht an unsere Großeltern.

Das war’s dann schon.

Doch die beiden Rechnungsbücher, die vor Jahren gerade noch rechtzeitig aus der Mülltonne gefischt wurden, vermitteln nebenbei Bruchstücke der Geschichte, wie sie aus der Sicht der einfachen Leute erlebt wurden. Sie erzählen davon, wie die französischen "Schaßern" (= Soldaten, die Chasseurs!) durchs Dorf zogen und Unterhalt verlangten, und wie man die vielen Währungen mit- und gegeneinander verrechnen musste; oder auch davon, wie es noch unfreie Menschen gab, die Frondienste, sog. "Hand- und Spanndienste", leisteten.

Die Ausstellung im Stadtmuseum St. Wendel ist deshalb alles andere als nüchtern! Da gibt es über 500 Exponate zu sehen. Es wurde ein komplettes Schlafzimmer und eine Küche eingerichtet, zahlreiche Gegenstände für den täglichen Bedarf wurden gesammelt.

 

Spezielle Münzwaagen (private Leihgaben) wurden zum Prüfen von Münzen auf Echtheit und Vollgewichtigkeit benutzt. Die Waagekästen enthalten Gewichte, die nicht auf Gramm oder Unzen lauten, sondern auf die Münzen, denen sie entsprechen sollten, also Dukat, Gulden, etc. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts verloren die Münzen und damit auch die Münzwaage ihre Bedeutung, das Papiergeld trat seinen Siegeszug an.

 

Darüberhinaus gibt es Waffen (private Leihgaben), Kleider und Werkzeuge (u.a. Sammlung Heinrich Schwingel) und auch Dachziegeln aus jener Zeit (Leihgabe Heimatmuseum Niederlinxweiler). Am Bildschirm kann man sich per Knopfdruck über alte Berufe informieren: der Seiler, der Kalkbrenner, der Wagner, der Sattler – Berufe, die in unserer Zeit langsam verschwinden.

An den Sonntagen, jeweils ab 15 Uhr, finden kostenlose Führungen zum Thema "von Flachs zum Leinen" statt. Herr Heinrich Schwingel – dem wir auch zu verdanken haben, dass es die beiden Rechnungsbücher heute noch gibt – zeigt dann, wie mühsam sich die Verarbeitung von der Pflanze bis zum fertigen Hemd gestaltete.

Eine Hose, wie wir sie kennen, gibt es seit etwa 150 Jahren. Unterhosen entstanden erst viel später. Man machte sich eben "ins Hemd", nicht "in die Hose"! Bis Ende des 18. Jahrhunderts trugen die Männer Beinlinge, die im Laufe der Zeit immer länger wurden und sich allmählich zur enganliegenden Hose entwickelte. Darunter trug man zunächst eine Art lange, weite Unterhose, wobei der Vorderschlitz erst 50 Jahre später, also um 1920, eingeführt wurde. Frauen trugen bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts generell keine Unterhose. Dann gab es die ersten "Beinkleider" für Damen, die bis unters Knie reichten, und im Schritt offen waren. Die in der Ausstellung gezeigten Damen-Unterhosen stammen aus dieser Zeit (Leihgaben Trachtenmuseum Nohfelden).

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Anbau von Flachs allmählich durch billige Import-Baumwolle zurückgedrängt. Doch bevor das Geschäft mit dem Flachs vorbei war, gab es im 19. Jahrhundert noch eine interessante Erfindung: eine Maschine, die Brache, die im Museum unten im Foyer ausgestellt ist. Mit einem Dreh wurden die ersten drei notwendigen Verarbeitungsschritte (Brechen, Schwingen und Schlagen) quasi automatisch erledigt. Die Brache ist eine Leihgabe aus dem Freilichtmuseum in Konz (Roscheider Hof).

 

 

Heinrich Schwingel

             Schlafzimmer

 

Das Schlafzimmer und die Küche werden in der Dauerausstellung Stadtgeschichte (wird zur Zeit eingerichtet und im November geöffnet) für Besucher zu besichtigen sein.

 

 

 

               Münzwaage

 

 

 

                     Keller