ImpressumDatenschutzKontakt
Aktuell
Das Museum
Dauerausstellung
Wechselausstellungen
Veranstaltungen
Fotogalerie
Archiv

Vera Kattler

  

(www.verakattler.blogspot.com

  

geboren 1965 in Wadgassen / Saar

 

1999 - 2005

Studium der Freien Kunst an der Hochschule der bildenden Künste Saar bei Prof. Bodo Baumgarten und Prof. Daniel Hausig

2005

Diplom (mit Auszeichnung) bei Prof. Daniel Hausig im Fachbereich Mixed Media / Malerei Meisterschülerin von Prof. Daniel Hausig

 

           

                       

Über das Fremde in den Bildern

 

 

Bei meinen Bildern geht es mir nicht darum ein Schaf, eine Kuh oder einen Elefanten wiederzugeben, sondern um die Darstellung des Tierhaften, des Fremden. Zum Teil sind die Bilder mit den Fingern gemalt. Dies erlaubt mir einen direkteren und unmittelbareren Zugang zu ihnen als das Arbeiten mit dem Pinsel. Es sind meist Portraits und man hat Blickkontakt mit dem Tier. Dies vermittelt den Eindruck einer Unmittelbarkeit die den Betrachter im ersten  Moment vielleicht zurückschrecken lässt. Es geht um die Präsens des Anderen, um das spürbare Dasein des Einzelwesens dessen Identität nicht klar zu bestimmen ist. Darüber wen oder was wir hier vor uns haben, ob es uns freundlich gesonnen ist oder uns gar feindselig gegenübersteht gibt es keine Klarheit. Ein wenig Unbehagen schleicht sich über die Unergründlichkeit des Blickes der dargestellten Tierwesen in die Bilder ein. Es geht mir um etwas, das nicht immer in Worte zu fassen ist sondern intuitiv über die Bildsprache wahrgenommen wird.

 

 

Dem ersten Blick geht es um erkennbare Figuren, um Tiere. Dem näheren Hinsehen aber geht es um die Setzung bildnerischer Sachverhalte, um das Malen selbst.

 

 

 

 

 

                              Schwimmübungen 

  

Auch beschäftigte sich Vera Kattler mit den Schwimmübungen, mit kleinformatigeren Bildern, vorherrschend Grau, Schwarz, Blau, Weiß. Variationen zeigen Untergruppen grünlicher, ockerfarbener oder bläulicher Tönung. Hier studierte Vera Kattler Blicksituationen. Ein direkt blickendes Auge verschiebt subtil das Bildgleichgewicht. Energische Farbmodellierungen rahmen es, verleihen der Form Lebendigkeit. Augenreflexe greifen das Beleuchtungslicht auf, beleben ihrerseits. Gliedmaßen sind nicht zu sehen. Kompakte und geschlossene Formen überwiegen. Diese Formen werden in Bildreihen, nicht im Einzelbild variiert.

Um welches Tier es sich handelt, soll hier verschwiegen werden. Anders als in den Tierbildern, in denen Tierkörper auf Flächen entwickelt werden, verdecken in den Schwimmübungen Flächen die Formen. Letztere ziehen sich irgendwann in die Fläche zurück. Nicht alle Flächen lassen sich als Wasseroberflächen festlegen. Es fehlt die Benetzung der Haut, die Oberflächenspannung des ruhigen Wasser an seinen Grenzen zum Tierkörper. Außer in den Augen hat es keine Reflexe. Zwar könnte die Farbigkeit auf Wasser hinweisen, allerdings sind manche Flächen sehr breit gestrichen. Unbestimmtheit gibt es in mit Coelin, Kobalt, Preussischblau und Weißbrechungen ausgearbeiteten Wolkenlandschaften. - So bleibt der Betrachter mit dem Auge alleine, von dem er nicht durchschaut, in welchem Zusammenhang es steht, welcher Art die merkwürdige Kreatur ist, die auf den vielen Einzelbildern immer wieder aus der übergelegten Oberfläche heraus auftaucht, und welche Auswirkungen das hat.

  

(Eine Wandseite in unserer Ausstellung ist mit diesen Motiven bestückt)

  

   

   

  

  

  

  

 

                             Video

Im Video Schönhörnchen (Film läuft während der Ausstellung) versucht Vera Kattler einen anderen Ansatz. In den Tierbildern bestand der Tierkörper aus Farbanhäufungen und Farbverteilungen. Im Schönhörnchen ist das Fell des Tieres aufgrund der optischen (Un-)Schärfe, der Videokompression, der Verwendung der Zeitlupe und des realisierten Motivkontrastes des dunklen Tierkörpers vor hellem Hintergrund gestaltlos. Brauntöne im Fell leuchten aus dem Bild, Braungrau, Braunrot, Fuchsbraun, Ocker. Die Wiedergabe des Films auf einem Bildschirm oder Display unterstützt dieses Leuchten. Die Transluzenz der Brauntöne gibt den Farbenkomplexen eine immanente Tiefe, beschränkt auf die Binnenform des Körperumrisses des Tieres. Dieser Tiefe allerdings wirkt der Hintergrund entgegen, der medienbedingt zwar ebenso leuchtet wie die Brauntöne, der andererseits aber auch reliefiert erscheint, damit körperlich-plastisch hervormodelliert, was beim Tierkörper nicht der Fall ist. Kommt hinzu, dass zarteste Blau- und Grüntönungen im Hintergrund subtile Farbkontraste zu den Brauntönen ausbilden. Solcherart tritt der Hintergrund aus dem Bild, dass dem Bild eine Leerstelle ersteht, dort, wo sich das Hörnchen dem Betrachter in die Tiefe entzieht, sich entmaterialisiert und nur ein dunkler Kontur, eine dunkel ausgefüllte Fläche übrigbleibt. Die Verlangsamung der bewegten Bilder akzentuiert die Unschlüssigkeit darüber. Aus der Tiefe scheinen auch die fremden, dunkel hallenden Geräusche zu kommen, die das seltsame Tun begleiten. Auch scheint das Lokal eine Höhle zu sein, unterirdisch, dem Alltag verborgen. Doch ist es nicht eigenartig, dass jene Höhle beleuchtet scheint, während ihr Bewohner nicht erkannt werden soll? Dies ist die Umkehrung der uns bekannten Welt. In der uns bekannten Welt leuchtet das Erkenntnisinteresse die wesentlichen Dinge aus, nicht die Beiläufigkeit einer Höhlenwand.

  

  

 

 

 

  

 

 

  

  

   

   

   

   

  

   

   

  

  

 

 

  

  

  

 

   

   

   

   

   

   

  

  

 

  

  

 

   

Tierbilder